Road Racing Mustangs

Rennsport Organisationen, Serien und Fahrzeugklassen

Damit wir die erfolgreiche Motorsportgeschichte des Ford Mustang besser verstehen und die verschiedenen Abkürzungen richtig einordnen können braucht es einen kurzen Exkurs in die Motorsport-Organisationen, die Rennserien und Reglemente. Diese gilt es jeweils gut auseinander zu halten.

Organisationen / Verbände

  • SCCA – seit 1944
  • FIA – seit 1904
  • IMSA – seit 1969
  • Grand-Am – 1999–2014
  • SRO Motorsports Group – heute unter anderem Veranstalter bzw. Promoter verschiedener GT-Serien

Rennserien

  • Trans-Am – ab 1966
  • IMSA-Rennserien – ab 1969 in verschiedenen Formen
  • Grand-Am Rolex Sports Car Series – 1999–2014
  • World Challenge – ab 1990
  • IMSA SportsCar Championship – ab 2014
  • GT World Challenge America – heutige Bezeichnung der amerikanischen World-Challenge-GT-Serie

Technische Reglements / Fahrzeugklassen

  • SCCA B-Production
  • FIA Group 2
  • FIA Group A
  • IMSA GTU / GTO / GTX / GTP
  • GT3
  • GT4

Damit ist beispielsweise ein 1969er Boss 302 Trans-Am ein Mustang, der in einer Rennserie (Trans-Am) unter einem bestimmten technischen Reglement eingesetzt wurde, während ein Mustang GT3 ein Fahrzeug nach einem GT3-Reglement ist, das wiederum in verschiedenen Rennserien eingesetzt werden kann. Genau diese Unterscheidung ist für die weitere Mustang-Rennsportchronik sinnvoll.

Detaillierte Erläuterung am Schluss dieser Seite

Die Entwicklung in fünf grossen Phasen

Chronologisch lässt sich die Mustanghistorie im Strassenrennsport in folgenden fünf Phasen einteilen, je nachdem wie gross die Werkunterstützung durch Ford war.

1. 1964–1970 – Die erste Werksära
Der Mustang wird unmittelbar nach seiner Einführung zum Rennsportprojekt. Shelby, Ford und später Bud Moore entwickeln spezielle Rennwagen für SCCA und Trans-Am. Der Höhepunkt ist die Trans-Am-Meisterschaft 1970 mit dem Boss 302. -> mehr

2. 1971–1984 – Rückzug und private Rennsportprojekte
Nach dem Ende des Werksprogramms verschwindet der Mustang nicht aus dem Rennsport, aber die Initiative liegt zunehmend bei privaten Teams und spezialisierten Rennwagenbauern. Kemp, Zakspeed und andere zeigen unterschiedliche Wege vom Mustang II bis zum extremen IMSA-Prototypen. -> mehr

3. 1985–1997 – Die zweite grosse GT-/Trans-Am-Ära
Mit Jack Roush kehrt der Mustang auf höchstem Niveau in den amerikanischen GT- und Trans-Am-Rennsport zurück. Die Roush-Mustangs werden zu dominierenden Rennwagen und erreichen 1989 und besonders 1997 grosse Erfolge. -> mehr

4. 1993–2016 – Vom homologierten Strassenfahrzeug zum Kundensport
Cobra R, FR500C, FR500S, Boss 302R/S und Shelby GT350R-C zeigen einen neuen Ansatz: Ford Performance entwickelt zunehmend komplette Rennsportpakete, die von Kunden und Teams eingesetzt werden können. -> mehr

5. 2016–heute – Der internationale GT-Mustang
Mit GT4 und später GT3 wird der Mustang Teil eines weltweit einheitlicheren GT-Rennsports. Gleichzeitig bleibt er in Trans-Am, IMSA, SRO und NASCAR präsent. Damit ist der Mustang heute nicht mehr nur ein amerikanisches Pony Car mit Rennsportambitionen, sondern eine internationale Rennsportplattform mit unterschiedlichen technischen Ausprägungen. -> mehr

Ford Werksunterstützung

Mustang Chronologie im Road Racing

ZeitraumMustangs im RundstreckenrennenFord-Werksaktivität
1965–70GT350R, Shelby Trans-Am, Boss 302 Trans-Am🟢 Sehr stark
1971–79wenige private Projekte, u.a. Mustang II/Kemp🔴 Kaum Werksprogramm
1980–83Zakspeed Mustang Turbo/GTX, GTP, Trans-Am/IMSA🟢 Comeback
1984–88Zakspeed, Roush IMSA, Australien Group A🟢 Sehr aktiv
1989–93Roush Trans-Am + IMSA GTO/GTS🟢 Sehr stark
1993–95Cobra R + IMSA Grand Sport/Firehawk🟢 stark, aber anders strukturiert
1995–99Cobra R, IMSA/Speedvision, Roush Trans-Am🟢 Sehr stark
2000–04einzelne/private Programme, aber kein grosses Ford-Mustang-Werks-Rennprogramm🔴 deutliche Lücke
2005–09FR500C, FR500S, FR500GT/GT4🟢 neuer Werks-/Kundenrennwagen-Ansatz
2010–14Boss 302R, Boss 302S🟢 sehr aktiv
2015–16Shelby GT350R-C🟢 stark
2017–heuteFP350S, Mustang GT4, GT3, Dark Horse R usw.🟢 sehr stark
Die wichtigsten Rennsport Organisationen, Serien und Fahrzeugklassen

SCCA – Sports Car Club of America
Seit 1944 – bis heute

Der Sports Car Club of America (SCCA) wurde 1944 gegründet und entwickelte sich zur wichtigsten amerikanischen Organisation für Sportwagen- und Rundstreckenrennen. Neben dem Club- und Amateursport organisierte bzw. sanktionierte der SCCA auch professionelle Rennserien und war damit für die Entwicklung des amerikanischen Straßenrennsports von zentraler Bedeutung. Besonders wichtig für den Mustang waren die B-Production-Klasse und ab 1966 die Trans-Am-Serie.

Trans-Am Series – Trans-American Sedan Championship / Trans-American Championship
Seit 1966 – mit Unterbrechungen bis heute

Die Trans-Am-Serie wurde 1966 vom SCCA als professionelle Rennserie für serienbasierte amerikanische Fahrzeuge geschaffen und entwickelte sich schnell zum wichtigsten Wettbewerb der amerikanischen Pony Cars. Ford trat dort mit dem Mustang gegen Chevrolet Camaro, AMC Javelin, Dodge Challenger und andere Fahrzeuge an. Ursprünglich war die Serie vor allem als Herstellerwettbewerb ausgelegt; einen offiziellen Fahrertitel gibt es erst seit 1972. Die ursprüngliche Serie lief bis 2006, wurde 2009 wiederbelebt und besteht heute weiterhin mit mehreren Klassen.

Für den Mustang besonders wichtig: 1966–1970 Shelby Mustang und Boss 302 Mustang; später unter anderem Roush-Mustangs und moderne Mustang-Rennfahrzeuge.

IMSA – International Motor Sports Association
Seit 1969 – bis heute

Die International Motor Sports Association (IMSA) wurde 1969 von John Bishop und Peggy Bishop gemeinsam mit NASCAR-Gründer Bill France Sr. gegründet. Sie entstand teilweise aus der Entwicklung des professionellen amerikanischen Straßenrennsports innerhalb des SCCA und wurde zu einer der bedeutendsten amerikanischen Motorsportorganisationen. Über die Jahrzehnte entstanden verschiedene IMSA-Serien und Klassen wie GTU, GTO, GTX und GTP, in denen auch zahlreiche Mustang-Rennwagen eingesetzt wurden.

Für den Mustang besonders wichtig: Kemp Cobra II, Zakspeed Mustang, Mustang GTO/GTS, IMSA Firehawk/Cobra R sowie spätere Ford-Rennprogramme.

FIA – Fédération Internationale de l’Automobile
Seit 1904 – bis heute

Die FIA ist der internationale Dachverband des Motorsports und keine Rennserie. Sie legt unter anderem internationale technische und sportliche Reglements fest und homologiert Fahrzeuge für bestimmte Reglementklassen. Für die Mustang-Geschichte sind insbesondere die historischen Group-2- und Group-A-Reglements sowie später die GT-Kategorien relevant. Die FIA führt auch heute noch Group A und GT3 als technische Reglements innerhalb ihres Regelwerks

FIA Group A – Tourenwagen-Reglement
Ab 1982 – historisches Reglement, national teilweise darüber hinaus verwendet

Group A war keine Rennserie, sondern ein FIA-Reglement für stark serienbasierte Tourenwagen. Voraussetzung war ein homologiertes Serienfahrzeug; Änderungen an Motor, Fahrwerk, Bremsen und Karosserie waren innerhalb des Reglements möglich. Für den Mustang war Group A insbesondere in den 1980er-Jahren interessant, beispielsweise beim Zakspeed Mustang Group A und bei den australischen Mustang-Einsätzen. Die FIA führt Group A auch heute noch im historischen bzw. allgemeinen Reglementsystem.

Grand-Am – Grand American Road Racing Association
1999–2014

Grand-Am wurde 1999 als amerikanische Motorsportorganisation gegründet und entwickelte insbesondere mit der Rolex Sports Car Series und später der Continental Tire Sports Car Challenge eigene Rundstreckenserien. Die Organisation konkurrierte über Jahre mit der American Le Mans Series (ALMS) und IMSA. 2014 wurden Grand-Am und ALMS zusammengeführt; daraus entstand die heutige IMSA SportsCar Championship.

IMSA SportsCar Championship
Seit 2014 – bis heute

Die IMSA SportsCar Championship entstand 2014 aus der Zusammenführung der Grand-Am Rolex Sports Car Series und der American Le Mans Series (ALMS). Sie vereint Sportwagen- und GT-Rennsport mit mehreren Fahrzeugklassen und gehört heute zu den wichtigsten Langstrecken- und Rundstreckenmeisterschaften Nordamerikas. Für Ford und den Mustang wurde sie insbesondere mit dem Mustang GT4 und später dem Mustang GTD/GT3-Programm relevant. Die heutige IMSA ist damit organisatorisch deutlich breiter aufgestellt als die historische IMSA der 1970er- und 1980er-Jahre.

World Challenge / Pirelli World Challenge / GT World Challenge America
Seit 1990 – bis heute

Die Rennserie entstand aus dem amerikanischen SCCA-Umfeld und wurde 1990 offiziell als World Challenge etabliert. Sie entwickelte sich von seriennahen Tourenwagen zu einer professionellen GT- und Tourenwagenmeisterschaft. 2008 übernahm WC Vision die Serie; 2018 übernahm die SRO Motorsports Group die operative Kontrolle. Seit 2020 trägt die amerikanische Meisterschaft den Namen GT World Challenge America.

Für den Mustang besonders wichtig: Cobra R, Mustang Boss 302S, Mustang GT4 und weitere Mustang-Rennfahrzeuge.

GT3 – FIA Group GT3
Reglement seit 2005/2006 – bis heute

GT3 ist keine einzelne Rennserie, sondern eine internationale technische Fahrzeugkategorie. Das Konzept wurde von der SRO entwickelt; 2006 startete die erste FIA GT3 European Championship. Ziel war ein vergleichsweise kostengünstiger GT-Rennsport mit seriennaher Basis, standardisierten Sicherheitsanforderungen und Balance of Performance (BoP). Heute ist GT3 weltweit in zahlreichen Rennserien vertreten.

GT4 – SRO/FIA GT4-Reglement
Seit 2007 – bis heute

GT4 ist ebenfalls eine technische Kategorie und keine einzelne Rennserie. SRO führte GT4 2007 als kostengünstigere und stärker serienbasierte Ergänzung zu GT3 ein. Die Fahrzeuge liegen technisch näher an ihren Straßenmodellen und richten sich insbesondere an Kunden- und Amateurteams. Der Mustang GT4 ist ein typisches Beispiel für ein nach diesem Konzept entwickeltes Kundensportfahrzeug.

Zusammenstellung: Marcel Alder