Der 1965 Shelby GT350R SFM 5R002 „Flying Mule“ war der erste echte Rennprototyp des Shelby GT350 und gleichzeitig das zentrale Entwicklungs- und Testfahrzeug für die späteren GT350R. Auf Basis eines Mustang Fastback mit 289 Hi-Po V8 erhielt er Rennfahrwerk, Rennbremsen, Leichtbau, 15-Zoll-Räder, Wettbewerbsauspuff, Fiberglas-Front und einen 34-Gallonen-Renntank; je nach Ausbaustufe leistete der Motor etwa 306 bis 350 PS. Am 14. Februar 1965 gewann Ken Miles damit in Green Valley, Texas, das erste Rennen eines Shelby GT350 und wurde beim Überfahren einer Bodenwelle mit allen vier Rädern in der Luft fotografiert – daraus entstand der legendäre Name „Flying Mule“. Das Fahrzeug wurde anschliessend intensiv von Ken Miles, Bob Bondurant, Chuck Cantwell, Peter Brock und Jerry Titus für Tests und Rennentwicklung eingesetzt und diente als Vorlage für die weiteren GT350R. Nach mehreren Besitzern und einer Wiederentdeckung wurde 5R002 von John Atzbach umfassend in die ursprüngliche Rennkonfiguration restauriert und 2020 für 3,85 Mio. US-Dollar verkauft. Stückzahl: 1 – Verbleib: private Sammlung, USA.
Der 1965 Shelby GT350R SFM 5R001 war der zweite von Shelby American aufgebaute Werks-Rennwagen und wurde auf Basis der Erfahrungen mit der „Flying Mule“ 5R002 zum eigentlichen Competition-Modell weiterentwickelt. Er erhielt den 289 Hi-Po V8, Leichtbau, Fiberglas-Front, Plexiglas-Scheiben, Rennfahrwerk, Wettbewerbsauspuff und Rennbremsen und war für die SCCA B-Production ausgelegt. Jerry Titus setzte 5R001 ab der zweiten Saisonhälfte 1965 ein und gewann damit die SCCA B-Production National Championship; beim American Road Race of Champions in Daytona am 28. November 1965 sicherte er mit dem Wagen endgültig den Titel. Zusammen mit 5R002 bildete 5R001 die Basis für die anschliessend gebauten 34 Kunden-GT350R und war damit ein entscheidender Schritt vom Entwicklungsfahrzeug zum erfolgreichen Serien-Rennprogramm. Nach mehreren Besitzerwechseln ist 5R001 weiterhin erhalten, befindet sich heute jedoch in privater Hand und wird nicht öffentlich gezeigt. Stückzahl: 1 – Verbleib: private Sammlung, USA; genauer Besitzer und Standort nicht öffentlich bekannt.
Der 1966 Shelby GT350 SFM 6S761 wurde von Shelby American nach Mailand zu Zagato geschickt, um eine eigenständige italienische Interpretation des amerikanischen Sportwagens zu schaffen. Der Wagen war bereits bei Shelby grün lackiert; Ivy Green Metallic gehörte 1966 zum offiziellen Farbprogramm des GT350 und wurde beim Zagato-Umbau beibehalten. Der genaue originale Lackcode von SFM 6S761 ist jedoch nicht eindeutig dokumentiert.
Technisch blieb der Mustang ein GT350 mit 4,7-Liter-289-HiPo-V8, Holley-Vierfachvergaser und rund 306 PS, kombiniert mit einem 4-Gang-Schaltgetriebe und den typischen GT350-Fahrwerksmodifikationen. Zagato veränderte die Karosserie dagegen umfassend: Besonders auffällig sind die rechteckigen europäischen Scheinwerfer, die neu gestaltete Frontpartie und vor allem die weit herumgezogene Heckscheibe, die dem Mustang eine völlig eigenständige Silhouette verleiht.
Die Höchstgeschwindigkeit dieses Einzelstücks ist nicht separat dokumentiert. Eine Serienfertigung der Zagato-Karosserie kam nicht zustande – Stückzahl: 1. Der Wagen kehrte nie in die USA zurück und wurde 1974 auf einem italienischen Schrottplatz wiederentdeckt. Anschliessend wurde er restauriert und zeitweise bei Amateur-Rennen eingesetzt, wobei Fachberichte einen Schweizer Besitzer nennen. Ende der 1980er-Jahre gelangte der GT350 an seinen heutigen, anonym gebliebenen Besitzer; der Wagen taucht bis heute nur sehr selten bei europäischen Klassikerveranstaltungen auf.
1966 Shelby GT350 Convertible
Das 1966 Shelby GT350 Convertible entstand als experimentelle Kleinserie von nur vier Fahrzeugen, die Shelby American als Testwagen für einen geplanten GT350 Convertible entwickelte. Alle basierten auf dem 1966er Mustang Convertible und erhielten den 289 Hi-Po V8 mit 271 PS, Shelby-Fahrwerk und Bremsanlage sowie einen Überrollbügel; wegen des Verdecks mussten die seitlichen Bremskühlungsöffnungen funktionslos ausgeführt werden. Die vier Wagen wurden in Ivy Green, Sapphire Blue, Springtime Yellow und Candy Apple Red gebaut und waren jeweils mit weissem Verdeck und schwarzem Interieur ausgestattet. Einer ging direkt an Bob Shane vom Kingston Trio, während die übrigen Fahrzeuge zunächst als Test- und Entwicklungswagen bei Shelby eingesetzt wurden. Die Erprobung sollte die Grundlage für einen geplanten 1967½ GT350 Convertible schaffen, der jedoch nicht realisiert wurde; erst 1968 kam der GT350 offiziell als Cabriolet auf den Markt. Stückzahl: 4 – Verbleib: alle vier Fahrzeuge sind heute bei Sammlern.
Alle Details sind hier zu finden.
Der 1967 Shelby GT500 Convertible mit der Shelby-Seriennummer 0139 ist das einzige offene Exemplar dieser Baureihe und damit ein absolutes Einzelstück. Der Wagen wurde von Shelby American als Entwicklungs- und Versuchswagen auf Basis eines 1967er Mustang Convertible aufgebaut und erhielt den 7,0-Liter-428-Police-Interceptor-V8 mit zwei Holley-Vierfachvergasern und 355 PS. Dazu kamen ein C6-Automatikgetriebe, Shelby-Fahrwerks- und Bremsmodifikationen sowie die charakteristische GT500-Karosserie mit Fiberglas-Front und zusätzlichen Lufteinlässen. Ein serienmässiger GT500 Convertible wurde 1967 nie angeboten; die offene Variante blieb ein Einzelstück. Nach seiner Verwendung bei Shelby wurde der Wagen während einer Ausleihe an einen Ford-Mitarbeiter gestohlen, später aber wiedergefunden. Anschliessend erhielt er verschiedene 1968er Shelby-Karosserieteile und wurde für Werbe- und Fotoaufnahmen des folgenden Modelljahres eingesetzt. Danach wurde er als vermeintlicher 1968 Shelby GT500 Convertible verkauft und verlor damit seine ursprüngliche Identität. 1977 kaufte Jaime Ventrella den Wagen im Raum Chicago und stellte aufgrund verschiedener Details fest, dass er eigentlich ein 1967er Modell sein musste. Die anschliessende Recherche anhand von Fahrzeug- und Shelby-Unterlagen bestätigte schliesslich die Identität als GT500 Convertible mit der Seriennummer 0139. Damit wurde aus einem vermeintlichen 1968er Umbau eines der seltensten und historisch bedeutendsten Shelby-Fahrzeuge überhaupt. Verbleib: Styles Collection, Florida, USA – im Besitz von Brian und Samantha Styles. Das Fahrzeug wird als historisch bedeutender Einzelwagen erhalten und gelegentlich bei ausgewählten Mustang- und Concours-Veranstaltungen gezeigt.
Der 1967 Shelby GT500 EXP „Little Red“ ist ein einzigartiges Entwicklungsfahrzeug von Shelby American und der einzige GT500-Prototyp mit Stufenheck. Das Fahrzeug mit der Shelby-Nummer 67411H900131 entstand 1966 als Versuchsträger und erhielt einen 427/428 FE Big-Block mit zwei Holley-Vierfachvergasern sowie später Paxton-Kompressoren mit zeitweise rund 600 PS. Dazu kamen ein C6-Automatikgetriebe, Shelby-Fahrwerk, 4,30:1-Hinterachse und speziell gestaltete Glasfaser-Karosserieteile. Die auffällige Candy-Apple-Red-Lackierung mit schwarzem Vinyldach, die spezielle Motorhaube, seitlichen Lufteinlässe, Heckspoiler und sequenziellen Rückleuchten machten „Little Red“ unverwechselbar.
Der Prototyp wurde ausgiebig für die Entwicklung künftiger Shelby-Modelle eingesetzt und nach Abschluss der Tests zu Kar Kraft nach Michigan geschickt. Danach galt er fast 50 Jahre als verschrottet, bis er 2018 von Craig Jackson und seinem Team in North Texas wiederentdeckt und anhand von Originalunterlagen eindeutig identifiziert wurde. Über rund zwei Jahre wurde das Fahrzeug aufwendig restauriert und 2020 erstmals wieder öffentlich gezeigt. ‚Little Red‘ befindet sich heute in der Craig Jascon Collection zusammen mit ‚Green Hornet‘.
Der 1967 Ford Mustang „Eleanor“ wurde für den Film „Nur noch 60 Sekunden“ (Gone in 60 Seconds, 2000) als spektakuläres Filmfahrzeug auf Basis eines Mustang Fastback aufgebaut und optisch einem Shelby GT500 nachempfunden. Das Design stammt von Steve Stanford, der Aufbau erfolgte bei Cinema Vehicle Services mit Unterstützung von Chip Foose; charakteristisch sind die Pepper-Gray-Lackierung, schwarzen Le-Mans-Streifen, verbreiterten Kotflügel, Seitenauspuffe und die markante Motorhaube. Für die Dreharbeiten entstanden rund 12 Fahrzeuge, darunter Hero-Cars für Nahaufnahmen und speziell vorbereitete Stuntfahrzeuge. Wichtig: Keine der Film-Eleanors war ein werksoriginaler Shelby GT500; für die Filmaufnahmen wurden normale 1967er Mustangs entsprechend umgebaut. Mehrere Fahrzeuge wurden während der aufwendigen Verfolgungsszenen zerstört, einige Hero-Cars blieben jedoch erhalten und erzielten später hohe Sammlerpreise. Stückzahl: mehrere Filmfahrzeuge – Verbleib: mehrere Exemplare erhalten, darunter dokumentierte Hero-Cars in privaten Sammlungen.
Der 1968 Shelby EXP-500 „Green Hornet“ ist ein einzigartiger Doppel-Prototyp: Er entstand zunächst als Ford-Prototyp für den GT/California Special und wurde Anfang 1968 von Shelby zum EXP-500 weiterentwickelt. Shelby stattete den Mustang mit einem 428 CJ-X FE Big-Block mit Conelec-Benzineinspritzung, C6-Automatik, einer speziell entwickelten Einzelradaufhängung und Scheibenbremsen an allen vier Rädern aus. Die auffällige gold-grüne Metallic-Lackierung, die Shelby-Karosserieteile, Lufthutze, Seitenstreifen und die speziellen Rückleuchten gaben ihm seinen Namen „Green Hornet“. Der Wagen diente als Versuchsträger für leistungsfähige Fahrwerks- und Antriebstechnik, die jedoch nicht in die Serienproduktion übernommen wurde. Nach mehreren Besitzern und einer ersten Restaurierung gelangte er 2003 in die Sammlung von Craig Jackson; seit 2018 wurde er nochmals historisch korrekt restauriert und mit möglichst vielen Originalteilen aufgebaut. Er befindet sich heute in der Craig Jackson Collection, USA.
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Der Shelby Boss 302 war ein geplanter Sonder-Mustang, mit dem Shelby American für das Modelljahr 1970 einen leichteren, sportlicheren Gegenentwurf zum Serien-Boss 302 entwickeln wollte. Ausgangspunkt war ein 1969 Mustang Boss 302, der als Shelby-Prototyp mit der Shelby-VIN 9F02G482244 aufgebaut wurde; das Projekt war auf rund 200 Fahrzeuge ausgelegt, wurde nach Carroll Shelbys Ausscheiden bei Ford jedoch eingestellt.
Technisch blieb der Wagen beim 302-ci (5,0-l) Boss-V8, der serienmäßig mit 290 hp (SAE gross) angegeben wurde, ergänzt um die für den Boss 302 typische Hochleistungs-Fahrwerks- und Bremsauslegung.
Die Besonderheit lag vor allem in der Shelby-Karosseriegestaltung mit überarbeiteter Front, Shelby-spezifischen Details und der Verbindung von Boss-302-Technik mit dem Shelby-Konzept.
Optisch orientierte sich der Prototyp an der aggressiven Boss-Linie, wobei die Shelby-Ausführung eigene Designmerkmale erhalten sollte.
Eine Serienproduktion kam nicht zustande – nur ein Prototyp wurde tatsächlich gebaut, obwohl zunächst eine Kleinserie von nahezu 200 Exemplaren vorgesehen war.
Der Wagen ist heute als „Shelby-Boss“ bekannt und erhalten; seine Existenz wurde durch Ford-Unterlagen, den Build Sheet und spätere Aussagen von Carroll Shelby dokumentiert.
Damit ist er ein besonders seltenes Bindeglied zwischen Ford Boss 302 und Shelby Mustang und zugleich eines der letzten eigenständigen Shelby-Projekte vor dem Ende der ersten Shelby-Mustang-Ära 1970.
Der 1971 Shelby Europa entstand nach dem Ende der US-Shelby-Produktion auf Initiative des belgischen Shelby-Händlers Claude Dubois, der mit Zustimmung von Carroll Shelby 1971er Mustang in Europa zu Shelby-Modellen umrüstete. Insgesamt entstanden nach heutiger Quellenlage nur neun Fahrzeuge, davon sieben Sportsroof und zwei Cabriolets. Als GT350 kam ein modifizierter 351-4V Cleveland zum Einsatz, während drei Fahrzeuge als GT500 mit 351 HO bzw. ein Exemplar mit 429 Super Cobra Jet aufgebaut wurden. Shelby-Optik, Fahrwerk, Ram-Air-Haube, Shelby-Kühlergrill mit Cobra-Emblem und Cibie-Zusatzscheinwerfer machten die Fahrzeuge zu eigenständigen europäischen Shelby-Modellen. Stückzahl: 9 – Verbleib: sechs Fahrzeuge sind heute bekannt, darunter beide Cabriolets in Finnland; drei weitere gelten als verschollen.
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