Gewöhnlich lag ich während meinen Ferien als Student im Schwimmbad und genoss das Nichtstun.
Dennoch nahm ich hin und wieder Jobs an, um etwas Sackgeld für den Alltag zur Verfügung zu haben – so auch im Sommer ‘’83’’. Am Abend rief ein Kollege an, der eine Kleingarage in Schlieren führt und fragte mich, ob ich ihm helfen könnte einen revidierten Motor wieder einzubauen; d.h. ihn beim Einpassen des Motorblocks per Kran an definierter Stelle zu unterstützen. Ich sagte zu und war anderntags zur Stelle. Zu dritt versenkten wir den Motor in die Grube an den richtigen Platz und waren froh, dass dies auf Anhieb ohne Komplikationen ablief. Ich war erstaunt über die Grösse des Motors und verstand schliesslich auch die Nachfrage zur Hilfestellung für den Einbau. Das Auto, das diesen revidierten Motor erhielt, war ein Mustang. Genauer gesagt ein Mustang Grandé 71.
Ich war fasziniert von dem Auto; es war nicht gerade Liebe auf den ersten Blick, jedoch war es stets ein Bubentraum meinerseits einmal ein amerikanisches Auto zu besitzen – irgendwann…
Früher bereits mit vier oder fünf Jahren war ich schon aufmerksam geworden auf die schönen amerikanischen Automobile mit viel Chrom und schnittigem Design; vor allem angetan war ich damals von den Chevrolets Impalas (gewaltige Heckflosse); Thunderbirds und den Cadillacs.
Nun stand ich also vor einem Mustang mit einem Design, das ich nicht kannte und als solches man es nicht als erstes identifizieren würde. Ich kannte eher das Design des Mach 1 mit Fliessheck und dieses würde ich von meiner Seite eher bevorzugen. Ich sagte zu dem Garagisten, dass es seit meiner Kindheit ein Bubentraum war, einmal ein solches Auto, sprich einen Ami-Schlitten zu besitzen.
Gesagt getan; ich schloss gegen Ende 1985 mein Studium ab, bekam ziemlich schnell eine Stelle, bei der ich aber auf ein Auto angewiesen war. Nun kreisten in meinem Hirn Gedanken, was für ein Typ Auto ich kaufen sollte und natürlich erinnerte ich mich wieder an meinen Bubentraum – einen Ami-Schlitten zu besitzen. Das Fieber dieses Bubentraums liess mich nicht los, weshalb ich, wann immer möglich, die Standplätze mit amerikanischen Autos abgraste.
Schliesslich wurde ich fündig und entschloss mich, einen Pontiac Firebird 400er mit ‘’Ram-Air’’ zu kaufen. Mit dem Garagisten-Kollegen nahmen wir das Auto erst unter die Lupe. Ich war Feuer und Flamme zugleich; mein Bubentraum wurde war – ich wurde stolzer Besitzer eines amerikanischen Autos. Das Auto zu fahren war der Hammer; der 6.6 Liter Motor lieferte eine solide Power, nur der Verbrauch war entsprechend; was soll’s – für einen Bubentraum muss man auch etwas investieren.
Im April 86, also zirka ein halbes Jahr nach meinem Autokauf, erhielt ich einen Anruf vom Kollegen der Kleingarage mit dem Wortlaut: ‘’Du könntest nun den Mustang haben; er steht zum Verkauf bereit’’. Ich war komplett überrumpelt. Was soll ich nun tun? Zwei solche Autos vermag ich auf keinen Fall mit meinem Gehalt. Schliesslich erhielt ich die Möglichkeit den Mustang für einen Monat Probe zu fahren: ich löste eine Wechselnummer und konnte so die beiden Autos in aller Ruhe miteinander vergleichen.
Alle staunten nun nicht schlecht, als ich als junger Hecht, an einem Tag mit dem Pontiac, anderntags mit dem Mustang zur Arbeit fuhr. Aber es musste ein Entscheid her, auch wenn der schwer fiel.
Der Mustang Grandé 351 (Cleveland 5.8 Liter) 71er Jahrgang, war spritziger (75 PS mehr) zum Fahren und auch der Verbrauch war wesentlich tiefer als beim Pontiac – ich entschied mich schlussendlich für den Mustang Grandé, Stufenheck hin oder her, falls ich den Pontiac zeitnah verkaufen könnte. Der Kollege willigte ein, den Pontiac zu übernehmen, was ein ganz feiner Zug war von ihm und so wurde ich im September 86 Besitzer von einem Mustang Grandé, so wie die Jungfrau zum Kinde kam.
Der Mustang war mechanisch zwar intakt, jedoch die Aussenlackierung, vor allem der Lack der Motorhaube war abgeblättert, war abgenutzt und hatte Patina angesetzt.
Das Inneninterieur war mit Velours bezogen und der Boden war, anstelle eines Teppichs, mit einem Bärenfell belegt.
Ich konnte und wollte aus diesem Grund nicht einem Club beitreten; Meine Meinung: die würden mich ja verhöhnen, wenn sie das Innenleben des Autos sehen würden.
Die nächsten 15 Jahre verliefen mehr oder weniger unspektakulär; ok ich heiratete 1989 Astrid, äs ‘’Saasi’’. Wir lernten uns 1988 während den Skiferien kennen. Astrid arbeitete als Pflegefachfrau im Visperspital und hie und da holte ich Astrid vom Arbeiten ab, um ins Saastal zu fahren; auch mit dem Mustang. Die Kolleginnen sahen dieses ungewöhnliche Auto mit Zürcher Plaque; en ‘’Üsserschwiizer’’, vor dem Spital stehen und fragten sich, wer wohl in diesen Zuhälterschlitten einsteigen würde. Dass dies ausgerechnet Astrid war, damit hatte wohl keine davon gerechnet. Ich hatte also hier nicht den allerbesten Ruf…
Ich fuhr während den 15 Jahren über 100’000km mit dem Mustang, ohne nennenswerte Reparaturen. Wasserpumpe, Thermostat, Alternator, Bremsen oder Kerzen mussten mal ersetzt werden (Abnützung oder altershalber) und der Anlasser musste neu gewickelt werden (der Hämmerchen-Trick wurde zu beschwerlich und war mit etwas Risiko behaftet).
Zwischenzeitlich war das Auto 30 Jahre alt geworden und der Zahn des Alters nagte daran, Roststellen wurden sichtbar bei den A-Säulen und im hinteren Teil des Vinyldaches. Zudem war die Aussenlackierung nicht besser geworden und auch die Innenausstattung war immer noch dieselbe.
Eine weitere Entscheidung zu dem Auto musste her. Grossinvestition oder Autoverkauf!
Es war schlussendlich eine rein emotionelle Entscheidung. Das Auto war mir zu sehr ans Herz gewachsen. Astrid hat mich dabei unterstützt, was sicherlich nicht einfach war für sie.
Im Oktober 2001 war es dann soweit. Die Firmen, die das Auto restaurieren sollten, waren bestimmt. Als Erstes liess ich den Getriebeautomaten des Fahrzeuges revidieren. Wandler und Getriebe wurden kontrolliert und defekte Teile bzw. Dichtungen wurden ersetzt.
2003 war die Hülle an der Reihe; es musste der Rost an diversen Orten, wie A-Säulen und am Heckblech, links wie rechts, entfernt und die gesamte Aussenlackierung erneuert werden. Alle Türgummis waren über die lange Zeit hart geworden und waren auch nicht mehr dicht, sodass diese ebenfalls ersetzt werden sollten. Diese Anforderung erwies sich dann bei den Fenstern noch als heftiger Knackpunkt.
Ich suchte bei RSB Mustang Parts in Deutschland die notwendigen Teile aus dem Katalog zusammen. Ganz schön anstrengend, wenn man die richtigen Teile aus den vielen Optionen finden muss. Wie man weiss, verfügte der Grandé, gegenüber den anderen Mustang Varianten, über besondere Optionen, wie viel Chrom: Stahlstossstangen, und Zierleisten entlang den Fenstern (innen wie aussen) und eine Mittelzierleiste entlang beider Längsseiten. Speziell auch die Zierleisten zur Umrandung des Vinyldaches und des Heckfensters. Diese Zierleisten standen weltweit als Ersatzteile nicht mehr zur Verfügung und mussten mit äusserster Vorsicht behandelt (entfernen und wieder montieren) werden. Einzig die Radlaufzierleisten konnte man ersetzen lassen.
Alle Teile wurden vorsichtig entfernt und beiseitegestellt. Das Vinyldach wurde heruntergezerrt. Es zeigte sich, dass das Dach eine Delle aufwies, die vor Jahren aufgezinnt wurde. Folgerung – der Himmel des Autos musste ebenfalls heruntergerissen werden, damit die Delle ausgebeult werden konnte. Ich hoffte in diesem Augenblick, dass nicht noch mehr versteckte Mängel hervorkamen, die weitere Kosten nach sich ziehen würden. Desweitern kamen neue rostige Stellen zum Vorschein, die teils mit Einschweissen von neuen Blechen behoben werden konnten. Die Seitenbleche hinten wurden neu verzinnt.
Die ganze Karosserie wurde sandgestrahlt und blank geschliffen. Neuralgische Punkte wie A-Säulen, wurden mit Spritzspachtel behandelt und eingebrannt und so für die Neulackierung vorbereitet.
Nach dem Schleifen sah die nackte Karosserie etwas gespenstisch aus; ich freute mich jedoch, dass das Auto nun bald eine neue Haut (Lackierung) bekam. Erst wurde die Karosserie mit einem 2K-Füller versehen, der ebenfalls eingebrannt wurde. Danach wurde das Auto 2-farbig gespritzt und anschliessend mit Klarlack überzogen.
Ein Etappenziel war damit erreicht. Es ging in die richtige Richtung…
Anschliessend wurde das Auto zum Sattler transportiert, denn ein neuer Himmel, wie auch ein neues Vinyldach musste angefertigt und eingebaut bzw. neu aufgeklebt werden.
Wir entschieden uns für eine graublaue – eisblaue Lösung, da das Auto selber zweifarbig gespritzt wurde (Hauptfarbe: Royal Dunkelblau). Der untere Teil ab Fussleiste grau. Ein roter Klebezierstreifen trennte die beiden Farben an den Längsseiten der Karosserie.
Für den Himmel haben wir uns für eine cremeweisse Farbe entschieden. Die Chromzierleisten wurden sorgfältig gereinigt und zurechtgebogen und mit dem neuen Vinyldach verbaut. An der Heckseite, zwischen den Rücklichtern wurde ebenfalls dasselbe Vinyl eingesetzt. Die A-Säulen innen wurden mit schwarzem Kunstleder versehen.
Ein Himmel einbauen ist nicht einfach. Dazu benötigt es Spezialisten mit gehörigem Fachwissen. Was ich sah, hat mich vollends begeistert und ich war froh, dass ich den richtigen Sattler dazu gewählt hatte.
Eine zweite Etappe war damit geschafft und abgeschlossen.
Im gleichen Arbeitsgang sollten nun auch die Türgummis innen wie aussen ersetzt werden.
Wieder orderte ich die notwendigen Teile bei RSB Mustang Parts. Sonnenblenden, Teppich, Dämmmatten, Handschuhfacheinsatz ohne Klima und die Türgummis, einen Satz mit Türgummis vorne und hinten für Innen- und Aussenseite. Wie ich bereits erwähnte, erwies sich diese Beschaffung als Knacknuss.
Ich bekam zwar die Fenstergummi Sets, jedoch jeweils die Aussenseite (vorne wie hinten) ohne Zierleiste. Ich bestellte die Sätze nochmals und erhielt die identischen Teile ein zweites Mal. Ich war verärgert und rief RSB an und erklärte ihnen, was ich genau benötigen würde. RSB erklärte mir dann, es gäbe keine solche Türgummis mit Zierleisten ausserhalb des Fensters. Was sie lieferten, wäre das, was offiziell zur Verfügung stünde. Ich war am Boden zerstört und hatte einen Riesenfrust im Bauch.
War dies nun das Letzte, was ich beitragen konnte? Wie sich herausstellte waren die Sets, die ich erhalten hatte, Sätze für Mach 1 und Convertible’s gebräuchlich. Nur der Grande hatte diese Zierleisten Option. Ich wollte diese Sets nicht installieren und überlegte, wer hier die Fähigkeit besass, einen Satz auf diese Weise herzustellen.
Dann fiel mir ein, dass ein Ex-Arbeitskollege von meinem Bruder in LA lebte und eventuell die Möglichkeit hätte, solche Autoteile zu finden. Ich schrieb ihn an und beschrieb haargenau, was ich benötigte, und schickte zudem einige Fotos zur Unterstützung mit.
Ohne Zögern willigte er ein und zeigte Bereitschaft, mich bei der Suche dieser heiklen Fenstergummis zu unterstützen. Da er wieder einmal seine Eltern in der CH besuchen wollte, kam er erst bei mir vorbei, um sich vor Ort kundig zu machen. Wir fuhren zur Sattlerei und er machte selbst Fotos von den Türgummileisten.
Mit dem Material flog er zurück nach LA und versprach, sich so schnell wie möglich zu melden. Die Hoffnung, die richtigen Türgummis für meinen Grande zu finden schwanden jedoch von Tag zu Tag. 3 Wochen nach seiner Abreise, ich hatte bereits alle Hoffnung verloren, meldete er sich und erklärte mir, dass er die guten Stücke gefunden und besorgt hätte und diese einem Kollegen mitgeben würde im Handgepäck. Dieser sei ein Lieferant für Kinderspielzeuge und würde diese in einem Spielwarenhaus in Zürich abgeben. Ich fiel aus allen Wolken, konnte dies wirklich wahr sein?
Ich konnte mein Glück kaum fassen und fragte ihn nochmals, ob der Satz wirklich die gesuchten Zierleisten beidseits der Fenster aufweisen würde.
Er bestätigte dies; ich konnte es kaum glauben. Nun konnte ich den Kurier kaum erwarten. Ich fieberte beinahe, um die guten Stücke in den Händen zu halten.
Demnach konnte das Projekt wieder gestartet werden. Eine unheimliche Last ist mir vom Herzen gefallen.
Ich war so unendlich dankbar, dass die gesuchten Teile besorgt werden konnten.
Wenige Tage später konnte ich dann mein Paket in besagtem Spielwarenhaus abholen. Es waren die richtigen Parts und ich war überglücklich, diese endlich in meinem Besitz zu wissen.
Alle Panels wurden nun entfernt, um die nötige Revision vornehmen zu können.
Das Velours wurde nun von den Panels gerissen und diese wurden durch das Schleifen vom Leim befreit.
Für die Innenausstattung entschieden wir uns für ein nachtblaues Kunstleder. Dies passte aussergewöhnlich gut zu den Aussenfarben des Autos.
Gleichzeitig wurden die Türgummis ersetzt und der Teppich eingelegt.
Auch die neu tapezierten Panels nahmen Formen an und konnten wieder an ihrem Bestimmungsort platziert werden.
Fünf harte Jahre hat die Revision gekostet und auch einige Nerven … Aber es hat sich gelohnt. Das Resultat lässt sich sehen.
Schlussendlich war ich richtig «giggerig», meinen geliebten Mustang wieder fahren zu können.
Quasi zum 30igsten Jubiläum (2006) als Eigentümer war dies endlich Tatsache geworden.
Es dauerte jedoch noch weitere 6 Jahre, bis ich beim Schweizer Mustang Club schüchtern anklopfte.
Der Kassier des MCS lud mich spontan ein, doch bei der nächsten anstehenden Ausfahrt einfach mal rein zu gucken, und dabei zu sein, was wir sehr gerne annahmen. So kam es, dass wir am 21.10.2012 der Ausfahrt ins Basler Casino sehr gespannt entgegensahen. Noch im Casino zahlten wir beide den Club-Jahresbeitrag und waren damit ab diesem Moment, begeisterte Clubmitglieder des Schweizer Mustang Clubs.
Das ganze Know-How und das Netzwerk, welches man quasi gratis miteinschliessen kann, sowie der Austausch unter den Mitgliedern, wenn mal ein technisches Problem beim Oldie ansteht, ist enorm wichtig aus unserer Sicht und das Fachsimpeln macht auch Spass. Wir haben eine neue Familie gefunden mit Mitgliedern, die zu guten Freunden wurden, mit denen man auch ausserhalb des Clubs den Kontakt rege pflegt.
Ich selbst bedaure manchmal, dass ich nicht schon früher Clubmitglied wurde, denn dann wäre ich heute längst Gold-Member im MCS. Ausserdem hätte mir dies auch bei der Revision des Mustangs unheimlich helfen können.
Der Mustang Grandé ist nun inzwischen 55- jährig geworden – Ich stolzer Besitzer seit 40 Jahren.
Jeder benötigt seine Streicheleinheiten und Pflege; auch ein Auto. Nach einer Kontrolle des Vergasers, stellten wir fest, dass der HC-Wert auf einer Seite viel zu hoch war und dieser nicht mehr einstellbar war.
Kerzen oder Ventile war nun die Frage? Kerzen waren i.O.; dies hiess leider, etwas mit den Ventilen stimmte nicht. Nach einer Druckmessung war schliesslich klar und deutlich zu erkennen: Zylinder 6 hielt der nötigen Kompression nicht mehr stand. Dieses Verdickt hiess nichts Gutes, denn der Zylinderkopf musste runter. Das Einlassventil des 6. Zylinders war undicht. Ich beschloss schliesslich beide Seiten zu revidieren und gönnte dem Grandé 16 neue Herzklappen, denn seit der letzten Motorenrevision (1983) sind bereits wieder 43 Jahre verstrichen.
Nun schlägt das Herz des Motors wie neu und die Abgase sind wieder im gewohnten Bereich.
Text: Walter Lütolf (2026)