CH-Zulassungen

Erster Mustang in der Schweiz

Bereits vor der offiziellen Präsentation des neuen Mustangs am 17. April 1964 auf der Weltausstellung in New York, erreichte der erste Mustang die Schweiz. Ein Vorserienmodell, genauer gesagt die Nummer 169, wurde bereits im April 1964 geliefert. Ford Schweiz stellte dieses Fahrzeug schon am 12. April 1964 im Kursaal Bern der Öffentlichkeit vor. Es handelte sich um ein rotes Cabriolet mit einem 260cui V8-Motor. Dieses Fahrzeug ist heute noch in der Ostschweiz unterwegs (Das Wunder von Bern)!

Vorserienmustang am 12. April 1964 im Kursaal Bern
Offizieller Import

Zwischen 1964 und 1982 führte Ford Schweiz den Mustang offiziell ein. Von den ersten drei Generationen wurden 10’683 Fahrzeuge mit Typenschein zugelassen. Die meisten wurden wahrscheinlich direkt von Ford Schweiz verkauft, einige wenige wurden später auf diese Typenscheine zugelassen. Die meisten Direktimporte fahren ohne Typenschein bzw. mit dem bekannten Typenschein X. Daher lässt sich nur feststellen, dass mindestens so viele, wenn nicht mehr Mustangs auf den Schweizer Straßen unterwegs waren und noch sind.

Nach 1983 überließ Ford Schweiz den Import privaten Unternehmen, daher gibt es von der vierten und fünften Generation keine Typenscheine. Erst mit dem Erfolg der fünften Generation (2005 bis 2014), von der wahrscheinlich einige tausend in die Schweiz und zehntausende nach Europa importiert wurden, entschied Ford, die sechste Generation wieder offiziell nach Europa zu bringen. Die Verkaufszahlen der sechsten Generation (2015-2023) spiegeln die Beliebtheit des Mustangs in der Schweiz wider und zeigen, wie viele Schweizer sich dieses exklusive Auto leisten konnten.

Die Zulassungen nach Typenschein geben auch Aufschluss darüber, welche Modelle beliebter waren und wie viele heute noch angemeldet sind.

Von den Shelby Versionen des Mustangs gibt es bis heute keine Typenscheine.

Zulassungen nach Typenschein (Datenbank der Strassenverkehrsämter)

1. Generation (Classic)

  • 1965 – 643
  • 1966 – 920
  • 1967 – 895
  • 1968 – 561
  • 1969 – 566
  • 1970 – 365
  • 1971 – 456
  • 1972 – 159
  • 1973 – 180
  • Total 4745

Die Zulassungszahlen reflektieren generell die Produktionsmengen. Die sogenannten BigBody Mustangs (71-73) waren zu ihrer Zeit in der Schweiz beliebter als in ihrem Herkunftsland.

65er Fastback 'Honey Gold'

2. Generation (Mustang II)

  • 1974 – 1188
  • 1975 – 621
  • 1976 – 561
  • 1977 – 248
  • 1978 – 381
  • Total 2999

Der Mustang II, mit seinen kompakteren Abmessungen, passte deutlich besser in die Schweiz als seine Vorgängermodelle, was sich unmittelbar in den Verkaufszahlen widerspiegelte.

74er Hatchback 'Bright Red'

3. Generation (FoxBody)

  • 1979 – 2278
  • 1980 – 588
  • 1981 – 59
  • 1982 – 14
  • Total 2939

Der Foxbody Mustang, der stärker an europäische Vorstellungen angepasst wurde, erzielte zunächst hohe Verkaufszahlen. Diese gingen jedoch deutlich zurück, was dazu führte, dass der offizielle Import im Jahr 1983 eingestellt wurde

79er Cobra 'Bright Yellow'

6. Generation (S-550)

  • 2015 – 884
  • 2016 – 2
  • 2017 – 0
  • 2018 – 388
  • 2019 – 129
  • 2020 – 34
  • 2021 – 128
  • 2022 – 70
  • 2023 – 15
  • Total 1650

Ford Schweiz importierte vom Modelljahr 2015 etwa 880 Fahrzeuge, danach war bereits wieder Schluss. Erst mit dem Facelift-Modell von 2018 ging es wieder weiter. Von diesem aktualisierten Modell wurden sukzessive Einheiten importiert, darunter überdurchschnittlich viele spezielle Sondermodelle wie der Bullitt (91 Stück) und der Mach1 (135 Stück).

15er 5oth Anniversary Edition 'Kona Blue'
Zulassungen und Typenscheine im Detail
66er GT Convertible 'Sauterne Gold' mit Styled Steel Wheels

Zu jener Zeit waren die Leistungsdaten noch nicht im Typenschein enthalten, und es genügte ein Typenschein je Motortyp für alle drei Karosserievarianten: Hardtop, Fastback und Cabriolet.

Ab 1966 wurde der 289-4V Motor (A-Code) offiziell importiert. Oft wurde dieses Modell mit der GT-Option bestellt. Obwohl der Typenschein als GT ausgewiesen ist, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass der Mustang tatsächlich mit der GT-Option ausgerüstet war. Die eindeutige Identifikation der GT-Option ist neben einigen kleinen Details nur durch das im Motorraum angebrachte Tag mit der Kennzeichne ‹PIO› definitiv möglich.

Verwirrung herrscht oft auch beim Thema Pony-Interieur, welches eindeutig über den Code am Door-Tag identifiziert werden kann, zum Beispiel 63A für Standard-Interieur und 63B für Luxus-Interieur. Damit ist auch zu erklären, dass nicht jeder GT-Mustang mit einem Pony-Interieur ausgestattet war.

67er Convertible 'Clearwater Aqua' mit Wire Wheel Raddeckel

Ab 1968 erforderte jede Karosserie- und Motorvariante des Mustangs einen eigenen Typenschein, was zu Verwirrungen führte. Neben einer Vielzahl an Motoren gab es auch Diskrepanzen zwischen den Karosseriebezeichnungen von Ford und den Straßenverkehrsämtern, sodass beispielsweise aus dem Fastback ein Coupé wurde. Ein weiteres bereits vorher vorhandenes Problem gab es bei der GT-Ausstattung, da die Motorvarianten und die GT-Ausstattung als zwei separate Optionen sind und das Straßenverkehrsamt den Typenschein der stärkeren Motorvariante entsprechend mit GT betitelte (auch wenn diese Ausstattung fehlte). Von 390er Motor wurden ein paar wenigen offiziell importiert, jedoch kein Cabriolet. Die größten Motoren, der 427er und der 428er, wurden in der Schweiz nicht offiziell importiert. Eine weitere Neuerung stellte die Angabe der Leistung auf dem Typenschein dar.

Classic 2. Facelift
Nummer
Leistung/Hubraum
aktiv/inaktiv
Modell
69er Convertible 'Candy Apple Red' mit Wolfrace Felgen

Im Jahr 1969 gab es eine Explosion der Typenscheine, mit insgesamt 14 Varianten für alle drei Karosserieformen und nahezu jede produzierte Motorengröße. Die Typenscheine wurden nun einheitlich einfach mit ‹Ford Mustang› bezeichnet was die Verwirrung zwischen den Bezeichnungen der Karossiere und Modellvarianten behob. Einzig Boss und Mach1 Typenscheine wurden entsprechend bezeichnet. 

1969 wurde ein zweiter, grösserer 6-Zylinder-Motor und der neue Cleveland 351 V8 Motor aufgenommen, während der 390 V8 aus dem Programm genommen wurde. Zeitweise waren alle Motoren verfügbar und wurden auch offiziell importiert. 

Von den Mustangs mit dem kleineren 6-Zylindern wurden 70 Fahrzeuge offiziell importiert, darunter 5 Cabriolets, von denen heute noch eines zugelassen ist. Die Hauptmenge mit etwa 200 Zulassungen betraf den größeren Sechszylinder, von denen heute noch 12 zugelassen sind. 

Die sehr seltenen Cabriolets mit Big-Block-Motor wurden nur noch 1969 in ganz geringer Stückzahl offiziell in die Schweiz importiert, da auch Ford Schweiz wohl sicherheitsbedenken hatte. Ab 1970 gabs nur noch Cabriolets mit dem 302 V8 Motor. Der 1970 Boss wurde ebenfalls importiert und ein paar wenige Mustangs mit dem 428er Motor. Heute sind aber mehr Boss und 428er Mustang eingelöst als sie damals neu auf den Strassen bei uns unterwegs waren, denn diese werden seit Jahren als Oldtimer aus den Staaten importiert.

71er Mach 1 'Grabber Green' mit Magnum 500 Rädern

1971 wurden die Fullsize Mustangs eingeführt. Im ersten Jahr importierte man etwa 450 Fahrzeuge, aber bereits im zweiten Jahr fiel der Absatz auf 160 Einheiten und blieb auf diesem niedrigen Niveau.

1971 wurden noch 75 Sechszylinder importiert, 1972 gab es keine mehr und 1973 nur noch 14. Es handelte sich ausschließlich um Hardtop-Modelle, Sportsroof Modell mit 6 Zylinder wurden nie offiziell importiert. Für das Cabriolet wurden keine Typenscheine mehr ausgestellt, also habe alle die heute rumfahren ein Typenschein X (sollte man meinen). 

Besonders hervorzuheben sind die 8 Boss 351 und die 25 Modelle mit dem 429er Motor. Vom Boss sind heute sicherlich mehr Fahrzeuge unterwegs, während es beim 429er weniger sein dürften, da nur noch zwei der ursprünglichen Fahrzeuge eingelöst sind. Von den Sportsroof- bzw. Mach1-Modellen wurden etwa 300 Stück offiziell importiert, und diese Modelle sind auch heute noch am häufigsten anzutreffen. Sie sind mit 302- oder 351-V8-Motoren und einem 2- oder 4-fach Vergaser ausgestattet, wobei der 351-Motor zusätzlich noch ein RamAir System haben kann.

74er Mach 1 'Pearl White' mit Chromringen und Stosstangenhörner

Pünktlich zur Ölkrise 1974 führte Ford den kleinsten Mustang ein, der aufgrund seiner Größe gut nach Europa passte, was zu einem Rekordimport von 1188 Stück im ersten Jahr führte. Es handelte sich ausschließlich um 2.8-Liter-Modelle, da die Vierzylinder nicht importiert und die V8 in diesem Jahr nicht verfügbar waren. 

Alle Typenscheine wurden einheitlich als ‹Ford Mustang II› bezeichnet, wobei es für jede Motor- und Karosserievariante einen eigenen Typenschein gab. In den Jahren 1975 und 1976 halbierte sich der Import etwa, und in den letzten beiden Jahren halbierte er sich erneut. 

Ab 1977 gab es dann nur noch einen Typenschein pro Motor, sodass die Karosserievarianten nicht mehr differenziert werden können. Auch die speziellen Cobra-Modelle, die ab 1976 erhältlich waren, können zahlenmäßig nicht bestimmt werden. Mit nur noch 2% aktiven Zulassungen erreicht der Mustang II die Werte normaler PKWs, während andere Mustang-Modelle eine 4- bis 5-mal höhere Überlebensrate als ein durchschnittlicher PKW aufweisen.

79er Cobra 'Polar White' mit grün-schwarzen Cobra-Dekor und den metrischen TRX-Rädern

Die dritte Generation des Mustang wurde stark von europäischen Modellen beeinflusst. Technisch war sie auf dem neuesten Stand. Der Import begann 1979 mit über 2200 Einheiten sehr erfolgreich und verdoppelte sich im Vergleich zu 1974. Neben den klassischen V6- und V8-Motoren war der neue Vierzylinder-Turbo sehr beliebt und wurde genauso häufig verkauft wie der V8. 

Es gab wie bereits beim Mustang II eingeführt nur noch Typenscheine entsprechend der Motorgröße, die für die Foxbdoy’s führen aber die Motorgrösse im Namen des Typenscheins. Eine Unterscheidung nach Karosserie und Ausstattung war somit nicht möglich. 

Während der Foxbody im Heimatland ein großer Erfolg war und jahrelang die Verkaufslisten für Sportcoupés anführte, endete der Absatz in Europa bzw. der Schweiz bald. 1980 fielen die Verkaufszahlen auf rund 500 Einheiten. Warum der 2.8-Liter-Motor nicht mehr importiert wurde, ist unbekannt. 1981 wurde der 3.3-Liter-Motor typisiert, aber nur zwei wurden verkauft. Für 1981 und 1982 war nur noch der kleinste V8 mit 4.2 Litern im Angebot, von dem nur wenige verkauft wurden. 

Von diesen sogenannten 4-Eye Foxbodys haben nur 0,5 % überlebt, was typisch für ‹Brot-und-Butter›-Autos ist. Die meisten wurden wahrscheinlich entsorgt, weil es keine Nachfrage gab, obwohl sie qualitativ und in Bezug auf Rostschutz überdurchschnittlich waren. Es lag wohl daran, dass diese Autos keinen echten Bezug mehr zum klassischen Mustang hatten und in der Masse untergingen.

Erst 31 Jahre nach dem Ende des offiziellen Imports wurde mit der Einführung der sechsten Mustang-Generation im Jahr 2015 der Verkauf offizieller Mustangs bei Ford Schweiz wieder aufgenommen.

15er Convertible GT 'Kona Blue' Europa-Modell mit weissen Rücklichtern

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Mustangs im Jahr 2014 kündigte Ford an, dass der Mustang zum ersten Mal seit 1982 wieder offiziell nach Europa exportiert wird. Speziell dafür wurde ein Mustang mit einem Vierzylindermotor, bekannt als Ecoboost, der aus dem Focus RS stammt, eingeführt.

Im Jahr 2015 importierte Ford Schweiz die neuen Mustangs offiziell in die Schweiz. Dabei fanden 276 Ecoboost-Modelle einen Käufer, im Vergleich zu 608 V8-Modellen. Der in den USA verfügbare V6 wurde nie offiziell importiert.

Obwohl es für 2016 einen Typenschein gab, erfolgten ab 2017 keine weiteren Importe mehr. Wahrscheinlich wurden die Verkäufe der Mustangs gedrosselt, weil die CO2-Ziele nicht mit den kleineren Modellen kompensiert werden konnten, was sonst zu zusätzlichen Abgaben geführt hätte.

Neu gab es einen Typenschein pro Motor und Getriebe (Automat oder Manuell).

S-550 Facelift
Nummer
Leistung/Hubraum
aktiv/inaktiv
Modell
18er Bullitt 'Dark Highland Green' Europa Edition

Im Jahr 2018 erhielt der S-550 Mustang ein kleines Facelift. Ford Schweiz hat dieses Modell nun wieder offiziell importiert. Der Vierzylinder-Ecoboost fand jedoch nur geringen Absatz: 2018 wurden 59 Fahrzeuge eingelöst und 2020 weitere sieben, danach wurde der offizielle Import der Vierzylindermodelle eingestellt. Der V6 empfiehl, da er ja auch in den US gestrichen wurde.

Die Sondermodelle Bullitt, eingeführt im Jahr 2018, verkauften sich mit 91 Einheiten sehr gut, ebenso der 2021 eingeführte Mach 1 mit 135 Einheiten. Im Erscheinungsjahr 2021 des Mach 1 wurden ausschließlich dieses Modell zugelassen. Die GT V8 Modelle wurden zwar in immer geringeren Stückzahlen verkauft, aber insgesamt waren es immerhin 472 Einheiten.

Seit 2018 hat die Anzahl der Typenscheine sprunghaft zugenommen, mit jährlich neuen und bis zu fünf Stück pro Modell. Die genauen Gründe dafür sind wohl nur dem Straßenverkehrsamt bekannt (wahrscheinlich auch mit höheren Kosten/Einnahmen verbunden).

Für das Jahr 2024 ist die siebte Generation angekündigt, allerdings sind bisher keine Fahrzeuge von Ford Schweiz zugelassen worden.

Zusammenstellung: Marcel Alder