1978 Cobra II, Marcel

Juli 2016, Kranenauto am US Car Meeting in Sulgen
Januar 2011, Frisch eingeschneit in Rothenturm

Rund 5 Jahre nach der Vollrestauration meines 1966 Mustangs juckte es mich wieder nach einer neuen Restauration. Es sollte wieder ein Mustang sein, doch welches Modell? Die frühen Jahrgänge schieden aus, da Restaurationsobjekte bereits einen 5-stelligem Frankenbereich kosten, vor allem wenn es wiederum um ein Modell in möglichst guter und seltener Ausstattung gehen sollte. Ich erinnerte mich an den Mustang aus einer meiner 70er Jahre Lieblings TV-Serie ‚Drei Engel für Charlie‘. So begann ich konkret Ausschau nach einem Mustang II zu halten. Ich stellte rasch fest, dass das Angebot sehr dünn war. Obwohl davon rund 1.2 Mio. Stück produziert wurden, waren fast alle verschwunden. Dieser Umstand bestärkte mich noch mehr genau ein solches Modell zu beschaffen. Es kam nur ein V8 Modell am liebsten mit T-Top und natürlich mit der Cobra II Ausführung in Frage. Mit Iso’s Unterstützung suchte ich intensiv danach, wir stellten jedoch fest, dass es einfacher wäre einen klassischen Shelby Mustang aufzutreiben als eine Cobra II. Auch die Suche in den USA ist schwierig, weiter bedeutet ein Import unerwartet hohe Zusatzkosten für die Zulassung hier, da ein DTC-Gutachten für Modelle ab Jg. 75 erforderlich ist.

Doch im Januar 2011, drei Tage vor meinem Geburtstag war plötzlich eine Cobra II inseriert. Clubkollege Stephan machte sich sofort auf und Stand am selben Abend noch vor dem Auto. Er rief mich mitten in meinem Curlingspiel an, ich musste sofort ja sagen ansonsten ginge die Cobra an den nächsten Interessenten. So kaufte ich mir die Cobra II ungesehen am Telefon und machte mir selbst ein Geburtstaggeschenk.

Die Bestandsaufnahme zeigte, dass die Cobra zwar Standschäden hatte aber praktisch rostfrei, original und auch fast vollständig war. Das Auto kam aus zweiter Hand lief rund 80’000km und stand rund 20 Jahre bei einem Transportunternehmer im Berner Oberland. Das Auto wurde 1988 das letzte Mal bewegt, die letzte MFK fand 1982 statt.

Die historische Recherche ergab folgendes:

Fahrgestellnummer (VIN): 8F03F2135547

Baujahr: 1978; Produktionsort: Dearborn, Michigan; Karosserieform: 3-türig, Hatchback; Motor: 302cui, 2V 8-Zylinder

Ausstattung gemäss ‚Door Tag‘

Farbe (9D): White; Auslieferung DSO (90); Exportmodell; Interieur (69F): Vinyl rot; Geplantes Produktionsdatum (24D): 24 April 1978; Getriebe (3): 3-Gang Automatic C4; Hinterachsübersetzung (W): 2.79:1

Damit handelt es sich um eine der letzten produzierten Cobra II Modelle, weil während den Sommerferien 1978 die Produktionsanlagen auf das Foxbody Modell umgerüstet wurden und ab August diese vom Band liefen.

Diese Cobra II wurde durch die Garage Th. Willy in Bern am 6. Juli 1978 an ein Frau Vreni Anker-Wenger aus Speck, Höfen bei Thun ausgeliefert. Das Auto blieb in ihrem Besitz bis im April 1987, Tachostand rund 84’000km.

Zweiter Besitzer war Karl Mieschbühler aus Neuenkirch (LU). Die Cobra II wurde noch gut ein Jahr benutzt. Der Ausweis wurde am 7. März 1988 annulliert. Tachostand 89’707 km. Seit dieser Zeit war die Cobra II nicht mehr in Betrieb. Sie wurde als damals 10 jähriges Fahrzeug weggestellt.

2008 wurde das Auto (wahrscheinlich vom 2. Besitzer) ins ricardo.ch gestellt. Ein Händler aus Rothenturm kaufte das Auto und lagerte es mit vielen anderen Fahrzeugen bis Januar 2011 ein. Wegen Platzmangel stand die Cobra II dann wieder zum Verkauf im autoscout.ch.

Januar 2011, Fotoinserat
Januar 2011, Ankunft in Zuzwil, Probesitzen Janine
August, 2011 Bestandesaufnahme, vollständig und komplett orginal

Nach der Präsentation des Fahrzeugs als Scheunenfund im August 2011 am Mustang und Shelby Meeting ging es im September 2011 los. Der Fahrplan war, die Cobra in rund vier Jahren wieder auf die Strasse zu bringen in perfektem Zustand. Die Demontage ging rasch von statten, festgehalten in hunderten von Fotos, die wichtig für den Zusammenbau waren.

August 2011, am Mustang & Shelby Meeting 'Barnfind'
Juni 2011, Carlisle mit Gary, Einkauf des T-Top mit allem Zubehör

Wie immer kümmere ich mich zuerst um die Karosserie. Da ich mittlerweile in einem Wohnquartier wohne, wo keine Spenglerarbeiten möglich sind, verlegte ich diese lärmenden Arbeiten in die Einzelgarage meines Vaters. Die Karossiere hatte nur eine Roststelle am vorderen Schweller, die schnell gemacht war. Die besondere Herausforderung war der Einbau des T-Tops. Dieses hatte ich bereits im Juni mit Iso in den USA am All Ford Nationals in Carlisle, USA eingekauft. Gary aus Leola ein Mustang II Spezialist, lieferte mir alle Teile aus einem Schlacht Mustang. Da die T-Top Modelle damals auch nachträglich umgerüstet wurden liess sich dies in derselben Weise ausführen. Wichtig ist einfach, dass man den Rahmen für das T-Top vorher einschweisst, bevor man das Dach rausschneidet. Auch das Einschweissen bzw. Verschrauben der zusätzlichen Torqueboxen und Schubstreben ist wichtig.  

April 2012, T-Top erste Seite fertig
Juli 2012, bereit für den Sandstrahler
September 2012, bereit für den Lackierer
Mai 2013, jungfräuliche Karosserie wieder daheim
April 2013, Spenderfahrzeug 77er 2.8 V6 Hatchback mit weissen Interieur

Bereits immer Sommer 2012 war alle Farbe runter und alle Schweissarbeiten erledigt. Nach den Sommerferien ging die Cobra II zur Fa. Kuhn in Muolen zum Sandstrahlen und 2K-Grundieren. Die Fa. Kuhn hat viel Erfahrung im Umgang mit Karosserien und lieferte eine perfekte und jungfräuliche Karosserie, welche nach dem Kitten direkt ins Spritzwerk Ruckstuhl in Kirchberg geliefert werden konnte. Dort verbrachte die Cobra II den nächsten Winter und im Frühjahr 2013 konnte ich sie wieder voller Stolz im originalen weissen Farbton abholen.

In der Zwischenzweit ging es ans Aufbereiten der tausenden von Kleinteilen. Ich merkte rasch, dass die Restauration eines Mustang II einiges komplizierter werden wird, als es bei einem klassischen Mustang ist, da die Ersatzteilsituation um einiges angespannter ist. Für den Umbau zum Charlies Angels Cobra musste ich den kompletten Chromzierrat und ein passendes Interieur auftreiben. Das vorhandene rote Interieur passte nicht und es hatte auch mächtig Schimmel angesetzt. Die Ausschau nach einem passenden Schlachtfahrzeug war schwierig, da es immer weniger Angebote gibt. Glücklicherweise fand ich im April 2013 ein passendes Schlachtfahrzeug. Es war wiederum ein Scheunenfund und dieser hatte erst 60’000km auf dem Tacho. Da es aber ein 2.8 Liter V6 war und in einer nicht gefragten dunkelgrünen Farbe lackiert konnte ich ihn für CHF 2’000 ersteigern. Das weisse Interieur war bis auf den Fahrersitz in sehr gutem Zustand, eigentlich wäre ein schwarzes bzw. dunkelblaues Interieur korrekt, ich konnte aber bis heute kein solches in gutem Zustand auftreiben und nachgefertigt wird noch keines für die Mustang II Generation. Die Chromleisten waren alle intakt und konnten vorsichtig gewechselt werden.

Mit der Zeit fand ich heraus, dass die E-Teile Situation besser wird, wenn ich die Teile entweder von 70 bis 73 Modellen oder 79er Modelle suche. So war die Palette aus den USA mit den Neuteilen (vorwiegend mechanische Teile) doch nicht so klein. Sämtlich Schrauben liess ich im Chromwerk in St.Gallen aufbereiten, da es noch keine Schraubensätze gibt wie bei den klassischen Mustangs.

in weiteres Problem bestand bei den Rädern, original sind es 4-Loch 6*13 Zoll Felgen mit 185er Reifen, diese sind einerseits kaum noch lieferbar und sie sind viel zu klein für die grossen Radkästen. Deshalb werden die Mustang II in den USA häufig auf die 5-Lochfelge des klassischen Mustangs umgebaut. Einen entsprechenden Umbausatz für die Vorderachse kam zum Einsatz und mit etwas Anpassungsarbeiten war das Ganze auch passend. Die hinteren Steckachsen wurden von der Larag in Wil umgebaut. Das nächste Problem war die Auspuffanlage, die interessanterweise bis anhin nicht nachgefertigt wird und es sich um eine Einrohranlage handelt, die natürlich auch nach nichts tönt. Es gab Zweirohranlagen auf dem Nachrüstermarkt. Glückerweise wurde im Laufe der vier Jahre eine solche bei eBay verkauft, die nun verbaut ist.

Februar 2013, Weihnachten im Februar E-Teile Lieferung aus den USA ist eingetroffen
Juli 2013, Aufbereitete Teile bereit zum Einbau
September 2015, Motorenbausatz

Der Motor wurde bis auf die Kolben und Kurbelwelle zerlegt und zeigte praktisch keine Verschleisspuren, so konnte er mit neuen Lagern und Dichtungen wieder zusammengebaut werden. Das Automatengetriebe wurde nur gereinigt und wieder eingebaut, was sich aber später als Fehler herausstellte, denn schon nach wenigen hundert Kilometern rutschte es durch und wurde extrem heiss (im Winter 2016 musste es nochmals raus zur Revision).  Dank eBay konnten auch ein perfekt passender Vergaser-Überholkit sowie alle alten Unterdruckdosen ersetzt werden. Da die Cobra technisch völlig original war wurde dieser Zustand wiederhergestellt. Die Versuchung war gross hier ein Tuning vorzunehmen, da dies ja recht einfach wäre und eher zur Optik des Fahrzeugs passen würde. Passanten (also nicht Mustang-Kenner) schätzen ja die Leistung auf über 300PS, es sind aber lediglich rund 150PS vorhanden aus dem doch 5.0 Liter grossen V8 (natürlich mit gutem Drehmoment).

November 2015, Motoreneinbau mit tatkräftiger Unterstützung von Joel
November 2015, das wird ganz perfekt
Februar 2016, die Cobra fährt wieder aus eigener Kraft!

Im April 2016 konnte ich die Cobra einlösen mit letzter MFK 07.82! Rund 2 Monate später war die Veteranen-MFK. Die MFK war eine sehr mühselige Angelegenheit, da der Experte keine Freude und Ahnung von alten Autos hatte und eine riesige Mängelliste wie bspw. vier nicht erlaubte Bremslichter, Riss im Fahrersitz, die Original Cobra Streifen usw. bemängelte, aber auch falsche Chromstahlräder, die er unbedingt eintragen wollte. Interessanterweise gab es mit der Eintragung der Doppelrohranlage keine Probleme. Nach zwei Anläufen gab es dann im August 2016 den Veteranenstatus.

Insgesamt macht die Cobra sehr viel Freude, neben der einmaligen Optik fährt sie einiges komfortabler als die klassischen Modelle, auch mit 150 PS hat sie genügend Leistung bzw. ist sie besser motorisiert als die Capris oder Mantas aus dieser Zeit, der Sound ist mindestens so gut wie bei den alten Modellen und das T-Top ist zwar etwas umständlich in der Handhabung, aber bereitet gutes Frischluftvergnügen.

August 2016, Fotoshooting

Die Restauration hat sich auf jeden Fall gelohnt, da es wohl in der Schweiz das einzige Cobra II Modell ist, dass einer Total Restauration unterzogen wurde. Obwohl die Cobra II fast zehnmal häufiger gebaut wurde (ca. 45’000 Stück) als die King Cobra, ist die Cobra II heute viel seltener als diese. siehe Zulassungsstatistik

Ein Traum ist wahr geworden ‚Mein Charlie’s Angel’s Mustang‘ im 40. Jahresjubiläum der Cobra II von 1976.   

Text: Marcel Alder (Für den Festführer des US Car Meeting Sulgen im Juli 2016)

Juli 2018, Eine Runde auf dem Circuit de la Sarthe (LeMans)
Juli 2018, Besuch der LeMans Classic
Juni 2018, Bretagne, Swiss Pony Drive 2018
Juni 2018, Bretagne
So muss es aussehen, viel besser als neu...
Vorgänger (65er Shelby GT350) - Nachfolger (76er Cobra II), Caroll Shelby bekam angeblich 50 Dollar 'Lizenz' pro verkaufter Cobra II
April 2020, mit Wolfrace Felgen